Phosphor

Von Phosphor ist nicht oft die Rede. Dabei enthält unser Körper rund 700 Gramm dieses chemischen Elements – überwiegend in Form von Phosphatverbindungen mit Kalzium, die die harte mineralische Substanz von Knochen und

In Weizenkleie steckt Phosphor

In 100g Weizenkleie stecken 1.290mg Phosphor – © hachri – Fotolia.com

Zähnen bilden. Aber auch darüber hinaus sind Phosphatgruppen in vielen unverzichtbaren Biosubstanzen enthalten und in dieser Form an allen Lebensvorgängen beteiligt.

Phosphor kommt in pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln aber so reichlich vor, dass ein Mangel im gesunden Organismus praktisch nicht entstehen kann.

Und auch im Zusammenhang mit Krankheiten spielt eher zu viel Phosphor eine Rolle. Speziell Osteoporosepatienten und Menschen, die an chronischer Niereninsuffizienz leiden, müssen im Rahmen einer phosphatarmen Diät ihre Phosphoraufnahme limitieren. Beide Patientengruppen sind riesig, mindestens jeder zehnte Erwachsene ist betroffen.

Eine nicht unbedeutende, aber versteckte Phosphorquelle bilden phosphathaltige Additive, die oft in großen Mengen in prozessierten Lebensmitteln zu finden sind. Diese Zusatzstoffe werden als Konservierungsstoffe Fleisch und Wurstwaren zugesetzt, als Schmelzsalz bestimmten Käseprodukten, machen Produkte aus Milch oder pflanzlichen Fetten cremiger und verbessern als Aromastoffe, Säureregulatoren und Stabilisatoren den Geschmack und die Optik von Cola und anderen Softdrinks. Aufgrund des großen Umfangs, in dem diese Zusatzstoffe zum Teil sogar in Biolebensmitteln verarbeitet werden, sind phosphathaltige Additive ein Gesundheitsrisiko für Nieren- und Osteoporosepatienten [1].

Einige Mediziner warnen sogar bereits allgemein vor übermäßigem Phosphatverzehr – der Stoff scheint das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Osteoporose auch bei Gesunden zu erhöhen [1,2].

Rolle im Körper

Wichtige Funktionen von Phosphor im Körper sind unter anderem:

Bestandteil der mineralischen Substanz von Knochen und Zähnen
„Währung“ des Energiestoffwechsels: Bioenergie wird im Organismus in Form gebundener Phosphatgruppen (Adenosintriphosphat ATP) gespeichert und transportiert
Die Zellmembran – die schützende Umhüllung aller Zellen – besteht aus Fettsäuren mit gebundenen Phosphatgruppen, sogenannten Phospholipiden
Das strukturelle Rückgrat der DNA-Doppelhelix – Träger der Erbinformation in allen Zellen – wird von phosphorylierten Zuckern gebildet
Phosphorylierung und Dephosphorylierung – An- und Abbau von Phosphatgruppen – sind im Organismus mit die wichtigsten Regulationsmethoden und dienen unter anderem zum „An- und Abschalten“ von Enzymen

Der Phosphathaushalt des Körpers ist hormongesteuert und eng mit dem Kalziumhaushalt verknüpft. Da die Knochensubstanz aus Kalzium und Phosphat im Mengenverhältnis 5:3 besteht, wird immer, wenn aufgrund eines niedrigen Kalziumspiegels im Blut Kalzium aus den Knochen freigesetzt wird, auch Phosphor abgegeben. Der nun folgende Anstieg des Phosphatspiegels im Blut regt das Knochengewebe zur Ausschüttung eines Hormons mit dem unspektakulären Namen FGF-23 an. FGF-23 kurbelt die Phosphorausscheidung über die Nieren an. Außerdem hemmt das Hormon die Synthese von Calcitriol aus Vitamin D und damit die Kalziumaufnahme aus dem Darm – schließlich ist Kalzium ja gerade frisch aus den Knochen ins Blut gelangt.

Dieser Mechanismus birgt nun die Gefahr, dass auch erhöhte Phosphatkonzentrationen, die durch Phosphataufnahme mit der Nahrung entstanden sind, die Calcitriol-Synthese und damit die Kalziumaufnahme aus der Nahrung herunterregeln – in diesem Fall dann ein äußerst unerwünschter Effekt.

Reichen die körpereigenen Regulationsmechanismen nicht mehr aus, um den Phosphatspiegel im Normbereich zu halten, droht zudem Verkalkung. Es ist nachgewiesen, dass hohe Phosphatspiegel im Blut die Ablagerung der eigentlich im Knochen zu findenden Phosphor-Calcium-Verbindung Apatit an Gefäßwänden und in Organen stimulieren und damit zu einer gefährlichen Verhärtung dieser Weichgewebe führen [2,3]. Bei chronischer Niereninsuffizienz gehören diese Verkalkungen zum Krankheitsbild. Aber auch scheinbar Gesunde mit Phosphatspiegeln im oberen Normbereich könnten bereits betroffen sein.

Täglicher Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht bei Erwachsenen einen Phosphorbedarf von 700 mg pro Tag [4]. Für Schwangere, Stillende, ältere Kinder und Jugendliche wurden etwas höhere Referenzwerte festgelegt.

Mangel

Der tägliche Phosphorbedarf wird durch alle Ernährungsformen normalerweise mehr als ausreichend gedeckt. Phosphormangel kann im Zusammenhang mit schwerer Mangelernährung beispielsweise bei Alkoholikern auftreten – aber auch dann, wenn die plötzliche Wiederaufnahme einer normalen Ernährung den Bedarf des Körpers an Phosphat und anderen Mineralien schlagartig erhöht (Refeeding-Syndrom).

Verringerte Aufnahme und erhöhte Ausscheidung von Phosphor haben ebenfalls Krankheitswert. Dabei kann es sich um erbliche Stoffwechselstörungen handeln. Aber auch bestimmte Tumoren können zu Phosphormangel führen.

Phosphormangel äußert sich in Form von Muskelschwäche, Auflösung von Muskelgewebe, generellem Krankheitsgefühl und ungenügender Knochenmineralisierung, die bei Kindern zu Rachitis, bei Erwachsenen zu Osteomalazie und langfristig zu Osteoporose führt.

Überdosierungen

Eine einmalige Überdosierung mit Phosphor ist unproblematisch und wird über die Nieren ausgeschieden. Anders sieht es bei chronischer Überdosierung aus – und auf die muss bei diesem Vitalstoff normalerweise mehr geachtet werden als auf einen möglichen Mangel. Chronisches Phosphorüberangebot ist ein Risikofaktor für Osteoporose und Gefäßverkalkung.

Vorkommen in Lebensmitteln

Von Natur aus ist Phosphor in vielen Lebensmitteln reichlich enthalten, insbesondere in Milchprodukten, Fleisch und Fisch, Kartoffeln, Getreideprodukten, Ei, Hülsenfrüchten und Nüssen. Eher phosphatarm sind Obst und Gemüse. Nur etwa die Hälfte des natürlichen Phosphorgehalts der Nahrung wird vom Darm resorbiert.

Dagegen wird der Phosphor aus phosphathaltige Zusatzstoffen praktisch vollständig aufgenommen. Bei der phosphatarmen Diät, die zum Beispiel Nierenkranke dringend einhalten müssen, kann das ein Problem sein. Lebensmittel, die solche Additive enthalten, sind nicht als Phosphatquellen gekennzeichnet. Besonders reich an versteckten Phosphat-Additiven sind zum Beispiel Schinken, Wurstwaren, Fischkonserven, Schmelzkäse, Parmesan und Scheiblettenkäse, Backpulver und Backwaren, Cola und andere Softdrinks. Phosphatverbindungen stecken beispielsweise hinter den E-Nummern E 338 bis E 341 und E 450 bis E 452.

Der Körper enthält rund 700 Gramm Phosphor – überwiegend in den Knochen. Darüber hinaus spielt Phosphor als Bestandteil vieler biologischer Substanzen eine universelle Rolle.
Der Phosphorhaushalt des Körpers ist eng an den Kalziumhaushalt gekoppelt.
Es muss eher auf mögliche Überversorgung mit dem Mineral geachtet werden: Zu viel Phosphor erhöht das Risiko für Osteoporose und Gefäßverkalkungen.

Quellen und Buchtipps

[1] Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln. E.Ritz et al. Dtsch Arztebl Int 109 (2012)
[2] Serum phosphorus levels associate with coronary atherosclerosis in young adults. R.N.Foley et al. JASN 20 (2009)
[3] The emerging role of phosphate in vascular calcification. C.M.Giachelli. Kidney Int 75 (2009)
[4] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung (DGE), ÖGE, SGE, Schweizerische Vereinigung f. Ernährung (Herausgeber) Umschau Buchverlag (2013)
Wichtiger Hinweis: Aufgrund von möglichen Wechselwirkungen wird darauf hingewiesen, dass bei Medikamenteneinnahme jede zusätzliche Verwendung auch von natürlichen Substanzen oder Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Arzt abgestimmt werden sollte. Bitte weiterlesen..

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