Kalzium

Rund ein Kilogramm Kalzium sind in Knochen und Zähnen gespeichert, deren mineralische Komponente Hydroxylapatit eine Verbindung mit sehr hohem Kalzium- und Phosphatanteil ist. Aber Knochen geben nicht nur unserem Körper Stabilität – sie dienen

Kalziumhaltige Lebensmittel

Kalziumhaltige Lebensmittel – © Paulista – Fotolia.com

auch als Kalziumreserve, die immer dann angezapft wird, wenn zu wenig Kalzium im Blut ist. Fest, wie sie zu sein scheinen, befinden sich die Knochen tatsächlich in ständigem Ab-, Um- und Wiederaufbau. Das Gleichgewicht dieser Prozesse wird je nach Kalzium- und Vitamin D-Status, aber auch hormongesteuert und abhängig von körperlicher Aktivität oder Inaktivität in Richtung Aufbau oder Abbau verschoben.

Zusammen mit Natrium und Kalium gehört Kalzium zu den wichtigsten Mineralen im Körper. Interessanterweise steht der Knochenmörtel zwar mengenmäßig auf Platz Eins, trotzdem ist die Kalziumkonzentration im Inneren der Körperzellen um Größenordnungen kleiner als die der beiden anderen Stoffe. Das prädestiniert Kalzium für seine zweite essenzielle Rolle, nämlich die als Signalstoff und effektiver Regulator intrazellulärer Prozesse: Bereits der Transport kleinster Kalziummengen aus der Zelle oder in die Zelle hinein sorgt für deutliche Änderungen der Kalziumkonzentration und kann so blitzschnell große Wirkungen auslösen.

Kalzium- und Vitamin D-Mangel werden generell als zusätzliche Risikofaktoren für das mit zunehmendem Alter auftretende Poröswerden der Knochensubstanz gesehen. Osteoporose, von der insbesondere Frauen jenseits der Menopause betroffen sind, begünstigt das Auftreten von Knochenbrüchen und stellt so gerade für ältere Menschen ein erhebliches allgemeines Gesundheitsrisiko dar. Medizinische Studien zeigen, dass Kalzium- und Vitamin D-Präparate das Risiko von Frakturen verringern [1], Hausärzte empfehlen gerade älteren Frauen oft eine Supplementierung mit diesen Vitalstoffen. Andererseits gibt es ernstzunehmende Hinweise auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Kalzium-Supplementierung [2]. Nutzen und mögliche Risiken von Kalziumpräparaten halten sich daher möglicherweise die Waage – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung konstatiert in ihren 2013 angepassten Empfehlungen zur Kalziumzufuhr hier weiteren Forschungsbedarf [3].

Rolle im Körper

Kalzium steht in engem Zusammenhang mit Vitamin D – ohne das aus Vitamin D gebildete Hormon Calcitriol kann Kalzium nicht aus dem Darm aufgenommen werden. Aus Kalzium und Phosphat bilden spezialisierte Zellen, die Osteoblasten, mineralische Knochensubstanz, die in ein Gerüst von Bindegewebe und Knorpel eingelagert wird und so die Knochen härtet.

Neben seiner Rolle bei der Mineralisierung von Knochen (und Zähnen) ist Kalzium als zellulärer Signalstoff an praktisch allen Körperprozessen in irgendeiner Form beteiligt.
Zu den wichtigsten gehören:

  • Muskelkontraktion
  • Steuerung der glatten Muskulatur der Blutgefäße
  • Freisetzung von Neurotransmittern an den Synapsen der Nervenzellen
  • Blutgerinnung

Sekretionsprozesse – zum Beispiel in Drüsen – sind generell kalziumgesteuert. Sinneszellen könnten ohne Kalzium keine Informationen über Umweltreize weitergeben, und das Mineral ist überall im Körper an der Aktivierung von Genen, Enzymen und Stoffwechselprozessen beteiligt. Dabei hat Kalzium häufig die Aufgabe, Informationen über ein Geschehen außerhalb der Zelle (wie die Bindung eines Hormons oder Neurotransmitters) innerhalb der Zelle zu kommunizieren.

Täglicher Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen die tägliche Aufnahme von 1000 mg Kalzium [3]. Voraussetzung für die Wirksamkeit des aufgenommenen Kalziums ist immer eine ausreichende Vitamin D-Versorgung. Kindern und Jugendlichen im Wachstum wird ein erhöhter Bedarf bescheinigt. Wer mit einer soliden Knochensubstanz ins Leben startet, ist für den nach dem Erreichen der maximalen Knochenmasse im zweiten Lebensjahrzehnt beginnenden langsamen Abbau besser gerüstet.

Die DGE-Referenzwerte für Schwangere und Stillende entsprechen denen für andere Erwachsene [3]. Die DGE stützt sich bei diesem Empfehlungen auf Studien, die keinen Nutzen einer zusätzlichen Kalziumzufuhr während Schwangerschaft und Stillzeit finden und beides auch nicht als erhöhtes Osteoporoserisiko werten [4]. Gleiches gilt für Erwachsene ab 65 Jahren. Auch hier beruft sich die DGE auf Studien und Analysen, laut derer eine tägliche Kalziumzufuhr von über 1000 mg keinen zusätzlichen Schutz vor Knochenbrüchen und Knochendichteverlusten verspricht [5].

Mangel

Langanhaltender Kalziummangel führt im Kindesalter zum Krankheitsbild Rachitis. Dabei treten typische Wachstumsstörungen auf, die mit mangelhafter Mineralisierung der Knochen zusammenhängen. Ähnlich schwerer Kalziummangel bei Erwachsenen führt zu einer Demineralisierung der Knochen (Osteomalazie), die sich zu einer Osteoporose weiterentwickeln kann. Da Kalzium den Knochen entzogen wird, um die Blutkonzentration aufrechtzuerhalten, bleibt ein Kalziummangel oft lange Zeit klinisch unsichtbar.

Ein zu geringer Kalziumspiegel im Blut hat meist nichts mit einer Mangelernährung zu tun, sondern ist das Resultat anderer Erkrankungen oder eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Die sogenannte Hypocalcaemie geht mit Muskelkrämpfen, Taubheitsgefühl in den Extremitäten, Herzrhythmusstörungen und allgemeiner Lethargie einher und ist lebensbedrohlich.

Überdosierungen

Eine Überdosierung mit Kalziumpräparaten ist möglich und nicht vollkommen harmlos. Die dadurch verursachte Erhöhung des Kalziumspiegels im Blut fördert die Bildung von Nierensteinen [6]. „Natürliches“ Kalzium aus der Nahrung hat diesen Effekt dagegen offenbar nicht [7]. Diskutiert wird – wie bereits erwähnt – auch eine Erhöhung des Herzinfarktrisikos durch Langzeitsupplementierung mit höheren Kalziumdosen [2].

Über positive oder negative Wirkungen von Kalzium auf das Krebsrisiko wird gesprochen, die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig. Für signifikante Effekte gibt es momentan keine Belege, weder für Prostatakrebs, wo dem Mineral eine Risikoerhöhung nachgesagt, noch für Darmkrebs, wo oft eine Schutzwirkung angeführt wird [8].

Vorkommen in Lebensmitteln

Milch und Milchprodukte (vor allem Käse) sind sprichwörtlich reich an Kalzium, das aus diesen Quellen auch besonders gut aufgenommen werden kann. Ein Glas Milch, ein Käsebrot und ein Becher Joghurt decken bereits den täglichen Kalziumbedarf. Kalziumreiche Mineralwässer, Nüsse, Vollkorngetreide und einige Gemüsesorten (Broccoli, Spinat, Grünkohl, Fenchel) sind ebenfalls recht gute Kalziumquellen. Bei oxalatreichen Gemüsen wie Spinat kann die Kalziumaufnahme durch Bildung von schwer löslichem Kalziumoxalat behindert sein.

Zusammenfassung

  • Der Körper enthält rund ein Kilogramm Kalzium – überwiegend in den Knochen.
  • Kalzium ist als Botenstoff an der Muskelkontraktion und Nervenerregung beteiligt, aber auch an fast allen anderen Steuer- und Regelvorgängen im Körper.
  • Vor allem im Interesse der Knochengesundheit empfiehlt die DGE eine tägliche Kalziumaufnahme von 1000 mg. Für andere diskutierte Wirkungen des Minerals, wie etwa Schutz vor Krebs, gibt es Anhaltspunkte, aber meist keine überzeugenden Belege.

Quellen und Buchtipps

[1] Patient level pooled analysis of 68 500 patients from seven major vitamin D fracture trials in US and Europe. DIPART (vitamin D Individual Patient Analysis of Randomized Trials) group. BMJ 340 (2010)
[2] Effect of calcium supplements on risk of myocardial infarction and cardiovascular events: meta-analysis. Mark J Bolland et al. BMJ 341 (2010)
[3] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung (DGE), ÖGE, SGE, Schweizerische Vereinigung f. Ernährung (Herausgeber) Umschau Buchverlag (2013) http://www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Calcium.pdf
[4] The effect of calcium supplementation on bone density during lactation and after weaning. H.J.Kalkwarf et al. N Engl J Med 337 (1997)
[5] Calcium intake and hip fracture risk in men and women: a meta-analysis of prospective cohort studies and randomized controlled trials. H.A.Bischoff-Ferrari et al. Am J Clin Nutr 86 (2007)
[6] Urinary tract stone occurrence in the Women’s Health Initiative (WHI) randomized clinical trial of calcium and vitamin D supplements. R.B.Wallace et al. Am J Clin Nutr 94 (2011)
[7] Comparison of dietary calcium with supplemental calcium and other nutrients as factors affecting the risk for kidney stones in women. G.C.Curhanet al. Ann Intern Med. 126 {1997)
[8] Calcium supplements and cancer risk: a meta-analysis of randomised controlled trials. S.M.Bristow et al. Br J Nutr. 110 (2013)
Wichtiger Hinweis: Aufgrund von möglichen Wechselwirkungen wird darauf hingewiesen, dass bei Medikamenteneinnahme jede zusätzliche Verwendung auch von natürlichen Substanzen oder Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Arzt abgestimmt werden sollte. Bitte weiterlesen..

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