Folsäure

Folsäure – auch Folat oder Vitamin B9 – ist eins der wasserlöslichen Vitamine der B-Gruppe. Entdeckt, identifiziert und erstmals künstlich synthetisiert in den 1940er Jahren, gewann der Vitalstoff zunächst Bedeutung bei der Behandlung der sogenannten perniziösen Anämie, der durch Vitamin B12- und Folsäure-

Folsäure

Folsäurehaltige Lebensmittel: Kresse, Brokkoli und Zucchini – © Kamila Cyganek – Fotolia.com

Mangel verursachten Blutarmut [1]. Wichtige Konsequenzen hatte in den 1990er Jahren die Aufdeckung des Zusammenhangs zwischen Folsäuremangel und schweren Geburtsfehlern. Die medizinische Empfehlung, Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere mit Folsäure zu supplementieren, hat zu einer bedeutenden Verringerung der sogenannten Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen geführt. In den USA etwa verlangt der Gesetzgeber seit 1998 die Anreicherung (Fortifikation) von Weißmehl und Getreideprodukten mit der synthetischen Form des Vitalstoffs [2].

Wie alle anderen echten Vitamine kann Folsäure vom Körper nicht selbst hergestellt werden. In der Nahrung ist sie meist als Folsäurepolyglutamat enthalten, das ist auch die Speicherform des Vitamins im Körper. Tetrahydrofolat, die biologisch aktive Form, entsteht daraus durch Abspaltung des Glutamats. Synthetisch hergestellte Folsäure hat eine subtil andere chemische Zusammensetzung und wird in der Leber in Tetrahydrofolat umgewandelt. Vor allem in den Ländern mit vorgeschriebener Folsäurefortifikation wird diskutiert, ob synthetisch hergestellte Folsäure dem natürlich vorkommenden Folsäurepolyglutamat wirklich gleichwertig ist [2].

Übrigens: Der Name Folat kommt vom lateinischen folium (Blatt): Dunkelgrünes Blattgemüse ist besonders reich an Folsäure.

Funktionsweise im Körper

Als Coenzym bei der Synthese von DNA-Bestandteilen und in anderen wichtigen Stoffwechselreaktionen dient Folsäure als Akzeptor und Donor von Methylgruppen – einfachen chemischen Motiven aus einem Kohlenstoffatom und 3 Wasserstoffatomen. Folsäure wird insbesondere für die Zellteilung benötigt, bei der jeweils ein komplett neuer Satz der Erbinformation in Form von DNA hergestellt werden muss, aber auch für Schutz, Reparatur und Modifikation der DNA [1].

In Geweben mit hoher Zellteilungsaktivität macht sich Folsäuremangel daher besonders bemerkbar. Rote und weiße Blutzellen werden kontinuierlich aus Stammzellen im Knochenmark produziert – Folsäuremangel führt zu einem Mangel dieser für den Sauerstofftransport beziehungsweise die Immunantwort wichtigen Blutbestandteile [1]. Und nicht zuletzt verbessert eine adäquater Folsäurespiegel auch die Qualität des Spermas [3].

Besonders hoch ist die Zellteilungsrate während der Embryonalentwicklung. Gerade in der frühen Phase der Embryogenese gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Folsäureunterversorgung und der Entstehung schwerer Geburtsschäden [4].

Folsäure steht im Körper in engem Zusammenhang mit Transcobalamin (Vitamin B12) und Homocystein [5]. Ein Mangel an einem der beiden Vitamine führt jeweils zu einer Erhöhung des Homocycteinspiegels im Blut. Erhöhte Homocysteinwerte wiederum werden mit Alterserscheinungen wie Arteriosklerose [6] und Demenz [7] in Verbindung gebracht. Ob es sich dabei tatsächlich um einen kausalen Zusammenhang handelt, wird kontrovers diskutiert. Die adäquate Versorgung mit Folsäure spielt weiterhin auch eine Rolle bei der Synthese von Neurotransmittern wie Serotonin. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Folsäuremangel und Depression [8].

Täglicher Bedarf

Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wird der tägliche Bedarf mit 0,3 mg Folat
angegeben. Bei Frauen, die eine Schwangerschaft planen, und Schwangeren erhöht sich diese Menge auf 0,55 mg [9].

Mit der Nahrung aufgenommenes natürliches Folat wird mit einer Effizienz von etwa 50 % aufgenommen, synthetisch hergestellte Folsäure in Nahrungsergänzungsmitteln oder künstlich angereicherten Lebensmitteln zu etwa 85 % [1].

Mangel

Folsäuremangel ist direkt assoziiert mit einem Mangel an roten und weißen Blutzellen (Anämie), der zu verringerter körperlicher und geistiger Belastbarkeit sowie herabgesetzter Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten führt.

Ein erhöhter Blutspiegel der Aminosäure Homocystein hängt ebenfalls direkt mit Folsäuremangel zusammen. Als mögliche Konsequenz wird unter anderem ein Anstieg des Risikos von Herz- und Gefäßerkrankungen diskutiert.

Weiterhin besteht ein Zusammenhang zwischen Folsäuremangel und Depression, Stimmungsschwankungen, verringerter geistiger Leistungsfähigkeit sowie Demenz und Verwirrtheitszuständen.

Während der Embryonalentwicklung erhöht Folsäuremangel das Risiko der Entstehung von Neuralrohrdefekten (Spina bifida und andere). Hinweise auf die Begünstigung weiterer Störungen – zum Beispiel angeborene Herzfehler oder Autismus – durch Folsäuremangel liegen ebenfalls vor.

Überdosierungen

Eine Überdosierung mit natürlich vorkommenden Folaten ist nicht möglich, da bereits die Aufnahme durch die Darmschleimhaut entsprechend reguliert wird [1].

Mögliche negative Folgen der Supplementierung mit synthetischer Folsäure (Dosen über 1 mg täglich gelten als eventuell problematisch) werden vor allem in den Ländern, in denen der Gesetzgeber die Fortifikation von Lebensmitteln mit Vitamin B9 vorschreibt, kontrovers diskutiert. Hinweise existieren auf eine mögliche Erhöhung des Darm- und Prostatakrebsrisikos, auf neuropsychologische Effekte sowie die Gefahr der Maskierung eines Vitamin B12-Mangels. Endgültig schlüssige Beweise für die Relevanz dieser Bedenken fehlen allerdings bislang [2].

Vorkommen in Lebensmitteln

Der mit Abstand beste Folsäure-Lieferant ist Leber. Geflügelfleisch, Eigelb und Milchprodukte sind ebenfalls gute Quellen. Aber auch Vegetarier müssen nicht unbedingt zu Supplementen greifen: Das Vitamin findet sich reichlich in grünem Blattgemüse (beispielsweise Spinat, Wirsing, Grünkohl oder Rosenkohl), in Spargel, Broccoli, Erdnüssen, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Hefe und allen Arten von Sprossen und Keimen. Allerdings: Folsäure ist relativ licht- und hitzeempfindlich!

Folsäure ist wichtig für DNA-Synthese und Zellteilung. Mangel führt unter anderem zu Anämie und erhöht das Risiko embryonaler Fehlbildungen.
Folsäure und Vitamin B12 regulieren gemeinsam den Homocysteinspiegel – hier gibt es eine Verbindung zum Arteriosklerose- und Demenzrisiko.
Die DGE empfiehlt eine tägliche Zufuhr von etwa 0,3 mg Folsäure. Zwischen natürlichem Folat und synthetischer Folsäure sollte unterschieden werden – für letztere werden mögliche negative Folgen einer Überdosierung diskutiert.

Quellen und Buchtipps

[1] Handbook of Vitamins. R.B.Rucker et al. CRC Press Inc. (2007)
[2] Folic acid food fortification – its history, effect, concerns, and future directions.
K.S.Crider et al. Nutrients. 3 (2011)
[3] The association of folate, zinc and antioxidant intake with sperm aneuploidy in healthy non-smoking men. S.S.Young et al.Hum Reprod. 23 (2008)
[4] Periconceptional folate deficiency and implications in neural tube defects. J.Safi et al. J Pregnancy. 2012 (2012)
[5] Update on cobalamin, folate, and homocysteine. R.Carmel et al. Hematology Am Soc Hematol Educ Program. 2003:62-81.
[6] The homocysteine hypothesis: still relevant to the prevention and treatment of cardiovascular disease? J.M.Abraham, L.Cho. Cleve Clin J Med. 77 (2010)
[7] The role of B vitamins in preventing and treating cognitive impairment and decline.
M.S.Morris. Adv Nutr. 3 (2012)
[8] Folate and depression—a neglected problem. S.N.Young, J Psychiatry Neurosci.32(2007)
[9] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung (DGE), ÖGE, SGE, Schweizerische Vereinigung f. Ernährung (Herausgeber)

Wichtiger Hinweis: Aufgrund von möglichen Wechselwirkungen wird darauf hingewiesen, dass bei Medikamenteneinnahme jede zusätzliche Verwendung auch von natürlichen Substanzen oder Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Arzt abgestimmt werden sollte. Bitte weiterlesen..

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